Politik

Klopp will die Deutschlandfahne zurückholen – neue Debatte über Patriotismus

Bundestrainer Jürgen Klopp sorgt mit ungewöhnlich politischen Worten für Aufmerksamkeit. Er fordert einen „positiven Patriotismus“ und möchte erreichen, dass Menschen die deutsche Fahne wieder zeigen können, ohne dafür automatisch in eine politische Ecke gestellt zu werden.

„Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen“, erklärte Klopp bei der Vorstellung seines ersten Kaders als Bundestrainer. Sein Wunsch: Wer eine Deutschlandfahne schwenkt, soll damit Freude und Verbundenheit mit dem Land ausdrücken können. Klopp sagte, Menschen könnten stolz darauf sein, deutsch zu sein und gleichzeitig „offen und vielfältig und nett, freundlich“ bleiben.

Damit berührt der Bundestrainer eine gesellschaftliche Debatte, die weit über den Fußball hinausgeht: Wie selbstverständlich darf Deutschland heute Patriotismus zeigen?

Deutschland und das schwierige Verhältnis zum Nationalstolz

Deutschland besitzt aufgrund seiner Geschichte ein besonders sensibles Verhältnis zu Begriffen wie Nation und Nationalstolz. Gleichzeitig wurde spätestens während der Fußball-WM 2006 sichtbar, dass Schwarz-Rot-Gold auch für ein weltoffenes und friedliches Gemeinschaftsgefühl stehen kann.

Genau an dieses Gefühl erinnert Klopps Botschaft. Nationalstolz müsse seiner Ansicht nach nicht im Gegensatz zu Vielfalt oder Offenheit stehen. Deutschland sei ein „wundervolles Land“, und es könne helfen, stärker darauf zu schauen, was im Land gut funktioniere.

Die vergangenen Bundesregierungen stehen zugleich seit Jahren in gesellschaftlichen Debatten über Migration, Integration, gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Umgang mit nationalen Symbolen in der Kritik. Kritiker werfen der Politik vor, eine positive Auseinandersetzung mit deutscher Identität zu wenig gefördert zu haben. Andere widersprechen dieser Interpretation und argumentieren, dass ein modernes deutsches Selbstverständnis gerade Demokratie, historische Verantwortung, Vielfalt und Zugehörigkeit miteinander verbinden müsse.

Klopps Worte setzen hier einen eigenen Akzent: Die deutsche Fahne soll kein Symbol einer einzelnen politischen Richtung sein.

„Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen“

Dabei darf ein entscheidender Teil seiner Aussage nicht ausgeblendet werden. Klopp bezog sich ausdrücklich auf die politische Entwicklung nach der Wahl in Sachsen-Anhalt und erklärte, Nationalstolz dürfe nicht den „falschen Leuten“ überlassen werden. Sein Plädoyer für Patriotismus war damit zugleich eine Abgrenzung von politischen Kräften, mit denen er diesen Begriff nicht verbunden sehen möchte.

Seine Botschaft lässt sich deshalb nicht einfach einem politischen Lager zuordnen: Deutschlandfahne zeigen, sich mit Deutschland verbunden fühlen und gleichzeitig offen gegenüber Menschen unterschiedlicher Herkunft sein – für Klopp gehört das zusammen.

Gerade der Fußball könne dabei wieder eine verbindende Rolle übernehmen. Schon bei seiner Vorstellung als Bundestrainer erklärte Klopp, die Nationalmannschaft könne „uns Deutsche verbinden wie kaum etwas anderes“. (DFB⁠)

Eine Fahne für das ganze Land

Klopps Aussagen treffen damit einen empfindlichen Punkt der deutschen Gegenwart. Die Frage lautet nicht nur, wer die Fahne schwenkt, sondern wofür sie stehen soll.

Seine Vorstellung ist deutlich: Schwarz-Rot-Gold soll wieder selbstverständlich auf den Straßen und in den Stadien zu sehen sein können – als Ausdruck der Freude über das eigene Land, ohne Überheblichkeit gegenüber anderen und ohne politische Vereinnahmung.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Botschaft des neuen Bundestrainers: Nationalgefühl, Weltoffenheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt müssen keine Gegensätze sein.

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